a true crime experience

Die Falle schnappt zu – zumindest etwas

Gestern habe ich je eine präparierte Email an Mariya, den Anwalt und den Bänker geschickt. Ich möchte so herausfinden, ob es sich wirklich um verschiedene Personen handelt und wo diese Personen sich aufhalten.

Als erstes öffnet Meenal Kashyap um 9:41 Uhr deutscher Zeit meine Email. Umgehend werde ich vom Tracking-Dienstleister darüber informiert, dass meine Email vom Empfänger geöffnet wurde. Mein Plan hat also funktioniert. Ich kann erkennen, dass der Anwalt seine Emails in Firefox 11 liest. Diese Version wurde im März 2012 veröffentlicht; die aktuelle Versionsnummer liegt bei über 100. Der Anwalt verwendet also eine Software, die schon seit einem Jahrzehnt als veraltet gilt. Gleiches gilt für den verwendeten Computer, auf dem noch Windows XP von 2001 läuft. Das wurde bereits 2006 durch Windows Vista ersetzt und gilt nicht nur als unsicher, sondern ist als Betriebssystem absolut veraltet. All das lässt darauf schließen, dass der Anwalt keinen Zugang zu modernen Computern hat, sondern irgendwo auf der Welt mit veralteter Technik arbeitet.

Auszug aus den Tracking-Details, die ich erhalte.

Enttäuschend ist die Antwort auf die Frage, wo auf der Welt sich der Computer befindet, der gerade meine Email anzeigt. Der Tracking-Dienstleister zeigt mir zwar einen Standort in den USA (nahe der Google-Zentrale), weist mich aber auf Folgendes hin:

Im Falle von Hotmail- oder Gmail-Empfängern sind Standort- und IP-Adressen-bezogene Informationen nicht korrekt, da Hotmail und Gmail nicht die tatsächliche IP-Adresse des Empfängers offenlegen, sondern die IP-Adresse und den Standort ihrer Server angeben.

Da mein Anwalt eine Gmail-Adresse verwendet, ist diese Information wohl wertlos. Während ich noch versuche, aus den technischen Informationen Rückschlüsse zu ziehen, trifft bereits die Antwort des Anwalts in meinem Posteingang ein.

Hallo Sehr geehrter Thomas Haselmann,

Ich bestätige den Eingang Ihrer Zahlung. Ich halte Sie auf dem Laufenden, sobald Ihre Zahlung eingegangen ist.

Außerdem werde ich mit der Bearbeitung der Dokumente beginnen, sobald Ihre Zahlung eingegangen ist.

Eine weitere Sache, bitte informieren Sie Ihre Bank, die 1460 sofort an die Targo Bank in der Person von Pamela Gayle Gunda zu senden, und sie sollten es nicht zurückschicken.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Meenal Kashyap Associates

Eine Email mit gleichem Wortlaut habe ich schon einmal erhalten, als ich vor einigen Tagen das erste Mal vorgegeben hatte, das Geld sei unterwegs nach Indien. Mir ist klar, dass er sich diesmal nicht wieder hinhalten lassen wird. Aber ich hoffe, dass die noch bleibende Zeit ausreicht, um konkretere Informationen über die Hintermänner zu sammeln. Ich gehe davon aus, dass der Kontakt abrupt abreisen wird, wenn das Geld nicht kommt. Und die Zeit bis dahin werde ich ausnutzen!

4 Kommentare

  1. Volker

    Hm, ich glaube, der gute Anwalt will nur etwas für die Nachwelt tun. Kauft sicherlich gebrauchte und setzt diese bis zum auseinander fallen ein; gut so, denn so sieht man, dass er „seriös“ (hüstel) ist, und sich nicht mit den Bargeld seiner Mandanten eindeckt.
    Nein, im Ernst – ich hätte gedacht, dass zumindest bei diesen Leuten ein wenig aktuelleres zu finden ist. Um ehrlich zu sein, hätte jetzt etwas anderes erwartet; gerade wenn man dich scheinbar ein paar Hundert Menschen eine Geschichte verkaufen muss. Oder hat der (Ur)Erfinder der Masche schon alles in Franchise weiter verkauft…?

  2. Tobias

    Kannst du zwecks Tracking nicht ein Bild auf deinen Server legen und in einer Email verlinken?

    • Thomas

      Hallo Tobias. Ich bin technisch nicht ganz so versiert, aber ich glaube nicht, dass ich dabei viel mehr erkennen würde als mit dem Tracking-Dienst, den ich verwendet habe. Aber auch Mariya hat ihre E-Mail geöffnet, und daraus ergeben sich interessante Rückschlüsse. Davon kannst du heute Abend lesen! Viele Grüße 🔆

  3. Uli

    Hallo, ich bin vorgestern durch meine Freundin Claudia mit Mariya heftig infiziert worden und suchte jetzt jeden Abend (habe ja noch einiges nachzulesen!)
    Mir sind 419 scammer, Vorschussbetrug usw. zwar ein Begriff und nicht unbekannt, die sitzen ja meist irgendwo, da ist es noch wärmer und trockener als in Unterfranken aktuell, aber dieser Krimi hier ist ja schon druckreif…solltest du mal überlegen.
    Ich amüsiere mich bestens, Firefox 11, Windows XP und ich bin überzeugt Google translate.
    Ich bin immer sehr gespannt wie es weiter geht, mit der armen sterbenden Toten! (ob sie wohl als Milka-Kalbchen wiedergeboren wird?) dem sich ständig wiederholenden Winkeladvokaten und Mr. Deutsche Bank India.
    Ich werde jetzt noch zwei, drei Episodentage weiterlesen und auf die neuen Schachzūge des Erbbegūnstigten warten. Vielleicht können wir dann die Augsburger Puppenkiste für eine Privatvorstellung buchen und hinterher wieder auf einen fröhlichen Umtrunk gehen.
    Viele Grüße 🙂

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