a true crime experience

Die Post geht ab: 8600 Euro für Paris

Der indische Banker Ramold Alex erwartet heute eine Sendungsnummer von mir, mit der er meine Bargeld-Sendung nach Paris im Internet verfolgen kann. Diese Sendungsnummer zu fälschen, würde nicht funktionieren. Schließlich würde er beim Versuch, die Sendung online zu verfolgen, eine Meldung bekommen, dass die Sendungsnummer ungültig ist.

Ich brauche also eine echte Sendungsnummer. Und gleichzeitig eine Sendungsnummer, die zu einer Sendung gehört, deren Ziel die richtige Adresse in Paris ist. Denn beim Verfolgen der Sendung wird auch die Zieladresse angezeigt.

Es würde somit nichts bringen, die Sendung an eine andere Adresse oder ungültige Adresse zu senden. Die Sendung muss an die von ihm übermittelte Adresse in Paris gerichtet sein.

In der Sendung sollen 8.600 Euro in bar verpackt sein. Da ich im Moment nicht über ausreichend Bargeld-Reserven verfüge, denke darüber nach, einen GPS-Tracker in das Kuvert zu legen. Damit könnte ich das Paket verfolgen, so mein Plan. Aber beim Öffnen des Kuverts wäre ich entlarvt und der Kontakt würde wahrscheinlich sofort abreißen.

Ich habe eine andere Idee, wie ich es vielleicht schaffe, kein Geld zu versenden, und trotzdem mein Gesicht als naiver und gutgläubiger Bankkunde nicht zu verlieren:

Ich besorge mir ein gepolstertes Kuvert und beschrifte es mit der Adresse des Empfängers in Paris. Als Absender wähle ich “meine ” Adresse, die eigentlich zum Polizeipräsidium in Würzburg gehört. In das Kuvert packe ich ein Bündel Geldscheine und verschließe es.

Im nächsten Schritt öffne ich das bereits verschlossene Kuvert wieder mit der Schere und entnehme das Geld. Da ich aber kein leeres Kuvert nach Paris senden möchte, kümmere ich mich um Ersatz:

Ich “erfinde” ein Formular, das an Zollpapiere erinnert. Diese Papiere möchte ich, anstelle des Bargeldes, in das Kuvert legen. Zu dem Formular erfinde ich ein Begleitschreiben und, wie es sich für eine ordentliche Behörde gehört, eine Referenznummer: 2022-IDWIDFM-FAKE-Y38.

Sehr geehrter Empfänger,
aufgrund eines bestehenden Anfangsverdachts wegen eines Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz (Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten), Artikel 1 des Gesetzes vom 23.06.2017 (BGBl. I S. 1822), in Kraft getreten am 26.06.2017, zuletzt geändert durch Gesetz vom 23.05.2022 (BGBl. I S. 754) m.W.v. 28.05.2022, wurde der Inhalt dieser Sendung vorläufig beschlagnahmt.

Der Inhalt der Sendung wurde auf einem Kautionskonto hinterlegt. Bitte beachten Sie die beigefügten Formulare zur korrekten Anmeldung und Deklaration von Wertsendungen innerhalb der Europäischen Union. Füllen Sie die Unterlagen aus und wenden Sie sich an Ihre lokale Zollbehörde. Hier erhalten Sie nach Prüfung die Ihnen zugeordneten Waren oder Barmittel.

Sie haben als Empfänger der Sendung zur nachträglichen Deklaration der anmeldepflichtigen Güter eine Frist von 30 Tagen ab Zustellung dieses Schreibens: 12.08.2022. Bei Nichteinhaltung der Frist wird ein entsprechendes Verfahren eingeleitet.
Bitte geben Sie bei Nachfragen immer die Referenznummer (siehe oben) an.
Beachten Sie, dass dieses Schreiben maschinell erstellt wurde
und daher ohne Unterschrift gültig ist.

Ich werde mich auf den Standpunkt stellen, dass ich das Geld, wie gefordert, versendet habe. Dass der Zoll mein Kuvert geöffnet und das Bargeld durch Formulare ersetzt hat, liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich.

Ich packe die Unterlagen in das zuvor aufgeschnittene Kuvert und verklebe es so, dass man offensichtlich erkennt, dass es bereits einmal geöffnet wurde:

Absichtlich dilettantisch verklebe ich das Kuvert und stempele die Verschlussstelle mit einem alten Stempel, den ich zu Hause finde. Der Stempel hat zwar nichts mit einer Zollbehörde zu tun, aber ich hoffe, dass der Stempel dem Dokument etwas Amtliches verleiht.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass mein präpariertes Kuvert von der Post angenommen wird. Ich habe die Befürchtung, dass die Post ein Kuvert, das offensichtlich beschädigt ist, nicht annimmt, um später nicht selbst in die Haftung für Transportschäden genommen zu werden.

Meine Befürchtung wird nicht bestätigt. Die Post verlangt 7,20 Euro für den Versand des Kuverts nach Frankreich – inklusive Sendungsverfolgung und persönliche Übergabe an den Empfänger. Und so schreibe ich meinem indischen Banker:

Sehr geehrter Mr. Ramold Alex,

im Anhang finden Sie den Einlieferungsbeleg mit der Sendungsnummer.

Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt des Geldes.

Viele Grüße

Thomas Haselmann

Ich mache ein Foto des Einlieferungsbeleges mit der entsprechenden Sendungsnummer und füge es der Email bei.

Jetzt muss ich warten, bis das Kuvert an der Empfängeradresse eintrifft und ich kann nur hoffen, dass mein Täuschungsmanöver nicht auffliegt…

13 Kommentare

  1. Uli

    Hallo Thomas,
    ich habe heute 17 Uhr sehr entgegengefiebert und wurde nicht enttäuscht…wie geil ist denn diese Idee mit den “getürkten” oder “geindischten” Zollformularen in der Postsendung. Allen Respekt, ein meisterlicher Schachzug!
    Manchmal ist die deutsche Bürokratie doch für was gut.. bin weiter gespannt 🙂

    • Thomas

      Vielen Dank 😘

  2. Jeannette

    Was für eine pfiffige Idee 👍😄😄 .
    Ich bin echt neugierig auf die Reaktion.!
    Jean.

  3. Andrea

    Thomas, du bist ein echter Fuchs 👍👍👍🤩🤩🤩

  4. Claudia

    Sehr cooler Schachzug 😜👍

  5. Hans

    Ich fass es nicht. Wer von den beiden Seiten hat mehr kriminelle Energie. Lieber Thomas, im Spass wolltest Du einer uns bekannten Freundin eine Eigentumswohnung abluchsen. Ich glaube, dass mit Deiner Karriere dies bereits geschehen ist, ohne dass davon jemand was mitgekriegt hat. Ich bin stolz auf das, was Du in den letzten Wochen veranstaltest hast, werde aber sofort wöchentlich meine Passwörter bei der Sparkasse ändern.

    • Thomas

      😅 Was will ich mit einer Eigentumswohnung, wenn die Millionen endlich da sind? Ich denke gerade über eine eigene Insel nach, mit einem Schloss in der Mitte… 👍

      • Hans

        Brauchst Du einen Facility Manager? Hätte jetzt Zeit. Auch die Jacht könnte ich warten.

      • Hans

        Thomas, diese Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst, etwas ausgeschmückt und das wäre ein Bestseller. Thomas Haselmann auf der Spiegel-Belletristik-Tabelle an erster Stelle! Damit könntest Du locker 10 Mio. Euro verdienen. Ich bin auf den Show-down gespannt.

  6. Tom Wild

    Respekt.
    Wie wäre es, wenn du als Schriftsteller, Genre Triller, weitermachst. Du hast das Zeugs dazu!!!!!!
    Lg ( freue mich auf morgen), Tom

    • Thomas

      Hallo Tom, ich schreibe ja nur auf, was passiert und gebe die Texte der Inder wieder – ich kann also nichts dafür. Aber vielleicht habensie ja Interesse, die Geschichte als Buch rauszubringen. Ich kann sie ja mal fragen 😅😅😅

  7. cloDe b.

    Geniale Idee. Ich schmeiss mich weg. Na, auf die Antwort/Reaktion bin ich gespannt!!!

  8. Werner

    Sehr genial.
    Bin schon auf das Finale gespannt.

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