a true crime experience

I faked what I faked for Mariya

Jetzt soll Mariya meine neue, gefälschte Identität kennenlernen. Ich habe viel Zeit für die Erstellung meines neuen Ausweises aufgewendet und ich bin gespannt, ob sie auf meinen Schwindel hereinfällt und schreibe ihr:

Liebe Mariya,

es freut mich sehr, dass Du Dich noch einmal gemeldet hast. In meinen Träumen habe ich mir schon ausgemalt, was ich alles mit dem Geld anstellen werde, und ich habe gestern sogar schon bei Amazon einige Sachen bestellt. Ich hoffe daher, wir bekommen die Sache schnell geregelt.

Die Fairness verlangt es, dass ich ihr mitteile, dass ich sie durchschaut habe und dass ich weiß, dass sie mir Fotos einer verstorbenen indischen Politikerin geschickt hat. Da ich aber davon ausgehe, dass Mariya kein Wort Deutsch spricht und unsere Konversation durch ein Übersetzungsprogramm läuft, wähle ich eine Art Fantasiesprache. Jeder deutsche Muttersprachler wird die nachstehenden Zeilen lesen und verstehen können. Jedes Übersetzungsprogramm wird aber daran verzweifeln:

Ich danke Dir auch für die Fotos, die Du mir gesendet hast.

„Ich habe Deine Votthoos in einer Suhchmaaschinä eingegegegebän und sähe das die Bilder geklauhht sind und eine verstohrbähne Bohlytikkerin zeigen“. Das macht mir aber nichts, es schmerzt mich sehr, einen so schwer kranken Menschen auf den Bilder zu sehen.

Ich bin gespannt, ob Mariya bei einer Antwort auf diese Zeilen eingehen wird. Wenn ich überhaupt noch einmal eine Antwort bekomme – vielleicht ist sie ja auch mit der Zusendung meines Fake-Ausweises (siehe hier) zufrieden und wird sich nicht mehr melden.

Mein Fake-Ausweis

Hier die Informationen, die Du noch benötigst:

Meinen Namen Thomas Haselmann kennst Du ja schon und Du weißt, dass ich in Deutschland lebe. Meine Telefonnummer ist 0049(0)89 99998 123.

Alle anderen Angaben und ein Foto findest Du in beigefügtem Dokument.

Dann schreibe ich ihr noch ein paar Zeilen, um eine individuelle Antwort zu erhalten. Mal sehen, ob und wie sie darauf reagiert:

Eine Sache bereitet mir immer noch Kopfzerbrechen: In Deiner letzten Email schreibst Du, ich soll das Geld zum Unterhalt des Gotteshauses einsetzen. Ich vermute, Du bist Hinduistin. Jetzt habe ich mich mal etwas eingelesen und festgestellt, dass die Hindus ein Dreiergespann aus den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva verehren. Bei uns hier gibt es auch ein Dreiergespann: Gott, Jesus und Heiliger Geist. Ich hoffe, das wäre eine geeignete Alternative, denn Kirchen gibt es hier einige. Wo der nächste Hindu-Tempel ist, müsste ich erst recherchieren.

Ich fühle mich sehr geehrt, dass Du mich für diese wichtige Aufgabe ausgewählt hast. Ich habe, zumindest was das Thema indisches Essen angeht, bereits Erfahrungen gesammelt. Das ist doch schon einmal eine gute Basis für unsere Zusammenarbeit!

Ich gehe davon aus, dass Mariya am Ziel ist. Sie hat meine vermeintliche Identität und eine Ausweis-Kopie. Vielleicht wird sie versuchen, irgendwo ein Konto damit zu eröffnen und illegale Geschäft abzuwickeln. Aber ich fände es schade, wenn unser Kontakt zum jetzigen Zeitpunkt schon abreisen würde. Daher meine abschließenden Worte an sie:

Liebe Mariya, brauchst Du noch etwas von mir? Oder wie gehen wir jetzt weiter vor? Du weißt, Deine Zeit ist knapp bemessen und wir sollten uns etwas beeilen.

Ich hoffe sehr, dass Du Dich wieder meldest. Ich habe sehr viel Spaß an unserer Konversation. Und natürlich wünsche ich Dir für Deine Gesundheit weiterhin alles Gute, ein stabiles WLAN im Krankenhaus und viel Erfolg bei der Bank.

Viele Grüße

Thomas Haselmann

Ich hänge meinen Ausweis an und schicke meine Worte auf den Weg nach Indien. Jetzt heißt es: abwarten! Ich bin gespannt, ob mein Fake auffliegt, oder ob Mariya vielleicht schon am Ziel ist. Jetzt, wo sie meine Daten hat…

1 Kommentar

  1. Claudia

    Deine Blog bereitet mir große Freude! Bin gespannt ob und wie es weitergeht!

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